Mein Jahr in Norwegen

Als ich mich entschloss, ein Jahr als Austauschschüler nach Norwegen zu gehen, dachte ich an Kälte und Dunkelheit.
Das stimmte zu Teil auch, denn als ich im Januar ankam, war es wirklich grimmig kalt und es lag sehr viel Schnee.

Ich kam zu einer Familie nach Kristiansund, ungefähr 190 km von Trondheim entfernt und war ein bißchen enttäuscht.
Eine der großen Städte Norwegens wie Oslo wäre mir lieber gewesen. Aber das kleine Kristiansund mit seinen knapp 18.000 Einwohnern wurde mir schnell zur zweiten Heimat. Meine Gasteltern waren freundliche und herzliche Menschen, die mich ohne viele Worte in ihrer Familie aufnahmen.

Mit meinen Gastbrüdern machte ich meine erste Tour auf Skier durch die schier endlosen Nadelwälder. Zu Anfang noch etwas unbeholfen, lernte ich schnell, mich auf den schmalen Brettern fort zu bewegen. Für die Norweger etwas ganz natürliches, wenn es darum geht, im Winter weitere Strecken zu bewältigen – für mich eine der Attraktionen in Norwegen.
Am Wochenende fuhren wir nach Trondheim, die drittgrößte Stadt Norwegens. Ich war beeindruckt, von der klaren und hellen Architektur Trondheims. Neben der alten Speicherstadt „Nidelva“ und dem Palast des Erzbischofs, besuchten wir auch den Nidarosdom. In der wunderschönen Kirche mit den bunten Glasfenstern werden traditionell die norwegischen Könige gekrönt.

Als der Frühling kam, wurden unsere Touren länger und endlich kam ich auch in die Hauptstadt Oslo.
Seinen besonderen Reiz bekommt Oslo durch seine Lage im inneren Fjord. Vom Rathaus, in dem alljährlich der Friedensnobelpreis verliehen wird bis zum königlichen Schloss sahen wir uns alles an.

In den Sommerferien schließlich fuhren wir zu einer Entdeckungstour durch das Land. Endlich ging mein Wunsch in Erfüllung, die Fjorde und die erhabene Landschaft zu erleben und Rentiere und Elche in freier Wildbahn zu sehen. Wir blieben meistens in einem Ferienhaus in Norwegen da das am praktischsten ist wenn man einige Zeit in einer Region verbringen möchte.

Mitte Juni kamen wir nach Tromsö, pünktlich zur Mittsommernacht. Um 23°° Uhr war es noch hell und um 3°° Uhr ging die Sonne wieder auf. Ein fantastisches Erlebnis.
Wenn ich heute an Norwegen denke, dann denke ich an ein wunderschönes, ruhiges Land mit aufgeschlossenen und freundlichen Menschen, die im Einklang mit einer einzigartigen Natur leben.

Ich hätte nie gedacht, das mir der Abschied von Norwegen einmal so schwer fallen würde.